Westford, 24. Oktober

The End
In 48 Stunden sitze ich im Flugzeug auf dem Weg nach Frankfurt. Wahnsinn wie schnell die Zeit vergangen ist. Aber die sechs Wochen waren voll gepackt mit vielen vielen Eindrücken, spannenden Situationen, fröhlichen Gesprächen und immer wieder toller Landschaft, sodass ich wirklich viel mitgenommen hab. Und langsam freu ich mich auch wieder auf daheim, darauf, nicht mehr überall hin mit dem Auto fahren zu MÜSSEN weil man zu Fuß die Straße nicht kreuzen kann, auf Vollkornbrot und leckeren Salat, und auf eine vertraute Umgebung – und damit mein ich Euch ;o)
Wie ging meine Reise nach meinem Jugendherbergsabenteuer weiter? Hm, ich bin weiter gen Westen gefahren, hab ein paar kleinere Städte besucht, hab an einer Führung bei Ben&Jerrys Eiscremefabrik teilgenommen, war in zwei fantastischen Freiluftmuseen, hab noch den ein oder anderen Berg erklommen (darunter Mount Manadnock, neben dem Mount Fuji in Japan der meistbestiegene Gipfel der Welt – und der Ausblick erklärt warum!), und verschiedene Cookie-Variationen vernascht. Gestern Abend war ich bei einem Westforder Arbeitskollegen und seiner Familie zum Essen eingeladen, inklusive Schlafplatz im Gästezimmer. Der Abend war total nett, gesprächig und lustig, und heut war ich noch mit seiner Frau und dem 7-jährigen Sohn im kleinen Waldmuseum und eine Runde spazieren. Eine süße Familie! Danach bin ich in ein weiteres, nicht allzu berauschendes, Freiluftmuseum, von wo aus ich weiter in bekannte Gefilde gefahren bin – nämlich nach Westford. Ich übernachte heut auf der Ausziehcouch im Hotelzimmer von meiner Frankfurter Arbeitskollegin, und war daher heut Abend mit ihr und einem anderen Westforder Kollegen ein letztes Mal beim Klettern. Nun haben wir noch ne Runde geratscht und schon ist’s halb drei und ich sollte eigentlich schlummern…
Nach zwei so gut wie konstanten strahlenden Blauerhimmeltagen regnet es seit heut Abend, aber langsam bin ich auch genug gewandert und herumgelaufen. Ich freu mich auf ein bisschen lesen auf der Couch oder im Cafe, wahrscheinlich noch zwei (indoor) Museen in Boston, und ein wenig Entspannung ohne das Gefühl zu haben, das schöne Wetter unbedingt ausnutzen zu sollen - wollen.
Ich werd mich morgen wohl nicht mehr an den Computer setzten, daher wünsch ich mir einen guten Flug und freu mich auf ein Wiedersehen in der Heimat!

Tschüüüüüüüüüüüüüüüß

PS: neue Fotos gibts grad nicht, denn zum Einen hab ich die Kamera im Auto vergessen, und zum Anderen hab ich in den letzten Tagen nur Bäume, bunte Blätter und Bauten fotografiert. So spannend ist das nicht.

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Mittwoch, 17. Oktober, abends erschöpft und rotbackig im Youth (?)Hostel 

White Mountains
Wow!
Wowowowoowwww!
Ich komm aus dem Staunen nicht mehr raus! Fand ich die Blätterfärbung im Acadia Nationalpark schon toll – so ist das hier ein Traum! Und soeben wurde mir gesagt, dass dorthin, wo ich Anfang nächster Woche reise, die Bäume noch schöner gefärbt sein sollen! Noch schöner?!?! Dann kleb ich nurnoch mit meiner Nase an der Autoscheibe und überfahr in das nächste Rentier… ;o)
Kurzum: alles ist wunderbar!
Nach zweieinhalb strahlendblauen Tagen im Acadia Nationalpark bin ich in Concord inmitten der White Mountains angekommen. Um mich mal wieder unter junge Leute zu mischen hab ich mich in das Youth Hostel eingecheckt. Dort wollte ich mich, trotz Müdigkeit und Kopfweh nach der langen Fahrt, noch unter die (jungen!) Leute mischen. Erstmal bin ich auf mein Zimmer, das ich mir, laut Info der Rezeption, mit „one other girl“ teilte. Dieses „girl“ entpuppte sich als eine circa 66 Jährige alternative Dame, die seit zwei Jahren kreuz und quer durch die USA reist. Hmmm. So hatte ich mir das ja nicht vorgestellt.. Nun ja, dann zieh ich eben weiter. Zielstrebig hab ich meinen Reiseführer gepackt und bin in die Küche, wo ich vorher Stimmen gehört – und dementsprechend junge Reisende erwartet hab. Denkste – Teil II ! Ich stieß auf eine Gruppe von fünf Frauen, alle rund um die 60, die fröhlich den Tagesausflug an den Strand diskutierten und mich in ihrer Mitte aufnahmen wie ihre Enkelin… Bin ich irgendwie im falschen Film? Hab ich mich in der Tür geirrt?? Stand auf dem Schild nicht YOUTH hostel???
Nun, ich hab mich erstmal hingesetzt und versucht zu erfahren, wohin ich den morgen Fahren und welche Berge ich erklimmen sollte. Es stellte sich heraus, dass die Damen weniger daran interessiert waren, mir Ausflugstipps zu geben als mir ihre Lebensgeschichte zu erzählen (und normalerweise zieh ich doch solche Leute garnicht an!!). So saß ich also auf meinem Höckerchen, rotäugig und zu kaputt um selbst in meinen Reiseführer zu schaun, und ein Wortschwall brach auf mich ein. Irgendwann konnte ich mich aus ihren Fängen retten, hab mich in mein Bett geworfen und zehn Stunden durchgeschlafen. Ich habs gebraucht! Morgens hörte der "Alptraum" (wobei er das nicht wirklich war!) nicht auf, denn erst traf ich im Bad zwei der Damen unter der Dusche und auf dem Weg nach draußen den gesamten Damenclan. Supi! Sie waren gerade im Aufbruch zum Frühstück – Blueberry pankakes – und da ich nichts besseres zu tun und eine Stärkung nötig hatte, hab ich mich spontan angeschlossen. Das Frühstück war lustig, die Pfannkuchen Magen füllend, und die Damen haben es geschafft, den einzigen Mann am Tisch, Arnold, in seinen jungen Vierzigern, mit mir zu verkuppeln: ich wollte raus und was unternehmen, Arnold ging es genauso, die Damen hatten schon was anderes vor und so endete ich auf dem Beifahrersitz (ein tolles Gefühl!!) und verbrachte mit Arnold (auf den Fotos in der blauen Weste) den Rest des Tages.

Erst sind wir zum „Lost River“ gefahren, einer Art Klamm, die man auf Holzstegen entlang läuft und alle paar Meter in eine mehr oder weniger aufregende Höhle klettern kann. Das ganze entpuppte sich als extrem lustig, denn vor allem die „Squeezer Cave“ (siehe Foto) war so eng, dass ich mich nur teils auf dem Bauch, teils mit akrobatischen Verrenkungen an den Felsen vorbeiquetschten konnte. Das ganze sah dann eben bei Arnold mit seinem doch etwas stärkeren Körperbau noch anders aus! Hi hi! Nach einem stärkenden Picknick haben wir eine wunderschöne Wanderung durch den Birkenwald an einen Wasserfall unternommen und sind in der Dunkelheit dank meiner (neuen) Stirnlampe (ich bin so stolz auf meine Einkäufe! Wurde alles schon eingeweiht – und meine grüne Weste zieh ich nie mehr aus – wie man auch auf den Fotos sieht!) wieder gut zum Auto gefunden. Beim grandiosen Steak, das sogar einen wie mich begeisterte, haben wir uns aufgewärmt und sind danach noch auf einen Boogy in die nächste Kneipe gezogen. Alles in allem war’s ein super lustiger Tag – ganz anders als am Morgen erwartet! Nachdem das mit Arnold und mir am Vortag so gut geklappt hat (die Damen waren ganz stolz auf sich und die Gerüchteküche brodelte vor sich hin) haben wir heut gemeinsam eine weitere Klamm erklommen, die allerdings bei weitem nicht so amüsant war. Anschließend ein kurzer Hike zum „Lonesome Lake“, bevor wir mit dem Auto durch die farbenprächtigen Wälder Richtung Hostel sind.
Auf dem Weg konnten wir DEN Berg der White Mountains, Mount Washington, bewundern. Er ist einer der s.g. Presidentials, der sieben (acht?) höchsten Berge in New Hampshire, die alle nach früheren Präsidenten benannt sind. (Einen Bush gibt es Gott sei Dank nicht. Den würd wahrscheinlich auch kaum einer erklimmen wollen…) Bevor ich hierher kam, hatte ich mit dem Gedanken gespielt, Mount Washington zu erklimmen, aber nachdem dort oben generell raue Bedingungen herrschen und momentan am Gipfel bereits Schnee liegt, möchte ich das nicht wagen. Und es gibt hier genug wunderschöne Alternativen! Im Schatten dieses Berges liegt das beeindruckende Washington Hotel, in dem im 19. Jahrhundert die Schönen und Reichen – langsam kennen wir sie ja schon – ihren Urlaub verbrachten. Ein beeindruckender Bau in einer grandiosen Lage, die Sonne schien gerade so auf die blutrot gefärbten Bäume und die Stimmung war einfach WOW! Deswegen das Wow-Foto! :o) Das Abendessen haben wir diesmal in einem Hotel des hiesigen Bergvereins eingenommen, wo wir den Tisch mit drei Wanderern teilten. Nach all der Frischluft hat das warme Essen einfach fantastisch geschmeckt und unsere Tischnachbarn entpuppten sich als wunderbar amüsant, sodass wir nach guten zwei Stunden angeregter Konversation lachend das Lokal verließen. Ein toller Abschluss von zwei aufregenden Tagen! Arnold ist danach nach NY City aufgebrochen und ich hab mit zwei Kerlen, die ich heut morgen beim Frühstück im Hostel kennen gelernt hab, unsere Wanderroute für morgen Vormittag besprochen. Inzwischen ist der Großteil des Damenclans (die alle übrigens alleine und unabhängig voneinander unterwegs waren!) abgereist, was den Altersdurchschnitt der Hostelgäste von 50 vielleicht auf 38 senkt. (Ich betone nochmals: ich befinde mich in einer offiziellen Jugendherberge!!). Auch meine beiden morgigen Wanderkumpanen dürften wohl Mitte 40 sein. Aber bisher hat sich das eigentlich als ganz nett herausgestellt, also lass ich mir davon nicht die Laune verderben. Lach!
Auch wenn es hier super schön ist und ich noch locker ein Aktivprogramm für mehrere Tage aufstellen könnte, so zieht es mich doch weiter. Nach der morgigen Wake-up-tour reise ich weiter nach Burlington und von dort gen Süden nach Bennington. Dann muss ich mal sehn wie viel mein Zeitplan noch übrig lässt, aber einige schöne Wanderungen sind auf jeden Fall noch geplant.
Es ist kurz vor eins. Meine Seniorengruppe schlummert bereits und ich spring nun auch mal unter die Dusche und ins Bett.
Lustig hier! Und immer wieder überraschend!
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Samstagabend, 13. Oktober

Indian Summer
Ich hab ihn gefunden! Den Indian Summer! Und er ist traumhaft!!
Nach fast 24 Stunden Dauerregen ist über Nacht der Himmel aufgeklart. Heut war ein wunderschöner, wenn auch ziemlich kühler Tag. Als ich heut Morgen auf der Spitze des Cadillac Mountain (466 m) stand, hab ich Alicia von tiefster Seele für jede Schicht Kleidung gedankt, die sie in mein Auto gepackt hat! Brrrr, der Wind war sooo eisig! Aber das Panorama war unglaublich schön! Ich bin mit dem Auto der Park Loop Road gefolgt und hab die Küste und die Wälder genossen. Auf Ratschlag von meiner „Hausmama“ hab ich in einer schönen 2-Stunden Rundwanderung den Gorham Mountain erklommen, auf dessen Gipfel ich ein barcelonesisches Pärchen traf, die ihren Doktor in Harvard machen. Mit den beiden hab ich die Runde vollendet, hab auf den Klippen verschnauft und bin dann noch ein bisschen durch die Gegend gecruised.
Die reichen Handelsleute des 19. Jahrhunderts, die naturbewusst und bergbegeistert waren, haben statt in Newport, R. I. (wo ich mein erstes Wochenende verbrachte) ihre Sommerhäuser hier im Acadia Nationalpark gebaut. Anders als in Newport kann man diese Häuschen leider nicht von der Küste aus begutachten (es sei denn man schippert auf dem Wasser daran vorbei), sondern kann nur einen kurzen Blick von der Straße darauf erhaschen. Hachchchch!!! Mein gedanklich gekauftes Haus in Newport tausche ich hiermit um gegen ein Häuschen an der hiesigen Küste, denn das Hinterland hat sehr viel mehr zu bieten als Newport! Morgen mach ich mich eine vierstündige Kajaktour und werd versuchen, bei Ebbe auf eine Insel zu laufen und hoffentlich wieder pünktlich zurückzukommen ;o) Und am Montag möcht ich noch einen Klettersteig machen (The is the most challenging and well known hiking trail in Acadia National Park with an exposed and almost vertical 1,000 foot climb that's only recommended for physically fit and experienced hikers with no fear of heights) und evtl. noch wirklich klettern gehen, bevor ich hier meine Zelte abbrech.
Alicia und Jeff, bei denen ich hier unterkomm, sind nett, haben zwei wunderbare Hunde und einen kuscheligen Kater. Wir waren heut Abend Hummer essen - mein zweieinhalbter Hummer innerhalb von einer Woche! Ich perfektioniere meine Technik von Mal zu Mal! ;o) Und obwohl es erst acht Uhr ist, bin ich ziemlich platt und werd mich wohl bald in meine Nische zurückziehen. Nische? Hmmm… Statt im Mini-Wohnwagen, der noch nicht aufgeräumt war, hab ich ein Plätzchen in der Garage bekommen, die über fließend Wasser und damit ein Waschbecken und eine Toilette verfügt. Wenn man also von all dem Gerümpel, Öl- und Farbgeruch, der von meiner näheren Umgebung ausgeht, absieht, ist es fast schon gemütlich ;o) Ich muss morgen noch ein Foto von meinem Schlafplatz machen! Aber ich bin froh um den Platz, denn trotz Nebensaison sind die Hostels und Hotels hier am Wochenende ausgebucht.
Herbstblättrige und erschöpfte Grüße!
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Donnerstag, 11. Oktober, abends im Motel

Lebenszeichen aus South Portland!
Endlich find ich mal wieder die Zeit meine Erlebnisse in die Welt hinaus zu verkünden. Ich hab meinen ersten offiziellen Urlaubstag hinter mir und erhole mich in einem mehr oder weniger gemütlichen „Ich-falle-von-meiner-Zimmertür-ins-Auto“-Motel in Portland von der längeren Autofahrt.
Ich bin heut morgen von Boston aus gestartet, wo ich mich gestern Abend mit Alicia und einer Freundin von ihr aus Kalifornien zum Abendessen getroffen hab und auch noch mal bei ihr auf dem Sofa übernachten konnte. Nachdem ich von einem Kollegen viele tolle Wandertipps bekommen hab, aber Klamottentechnisch eher weniger hierfür ausgerüstet bin (es kann zu der Jahreszeit schon mal fröstelig werden) war Alicia so nett und hat mich komplett von warmer Unterwäsche über Fleecepullis und Regenhose (jup, das Wetter ist momentan nicht so prickelnd) für die Bergwelt ausgestattet! Thanks! :o) Nachdem ich mir noch Trekkingschuhe und eine Stirnlampe gekauft hab, bin ich nun für alles gewappnet!
Heut ging’s gen Norden nach Portsmouth, wo ich mich bei Clam Chowder und Miniburger gestärkt und eine kurze Runde (ob ihr’s glaubt oder nicht, ich bin inzwischen relativ immun was das Einkaufen angeht!!) im Outlet gedreht hab. Danach bin ich einfach den Küstenhighway weitergefahren, hab mir das Ferienhaus der Familie Busch angeschaut (lag halt auf dem Weg…) und bin bei Dunkelheit in Portland angekommen. Nachdem ich heut früh schlafen werd, dreh ich morgen Früh pünktlich eine Runde durch die Stadt, bevor ich mich mir das AMEC Büro in Portland anschau und mit den dortigen Kollegen zum Mittagessen geh. Wie’s danach weitergeht bin ich mir noch nicht so sicher, mein Ziel für Samstag ist der Acadia National Park, der einzige Nationalpark Maine’s und von vielen Seiten her sehr gelobt. In der Hoffnung, dass das Wetter bis dahin besser ist, werd ich dort wandern, Kanu fahrn, klettern, radeln, und den Sonnenaufgang vor allen anderen Amerikanern genießen, da die Sonne an diesem nordöstlichsten Inselzipfel der USA zuallererst aufgeht! Wie’s anschließend weitergeht ist noch ungewiss. Je nach Spaßfaktor und Wetterlage bleib ich in Bar Habor (wo ich übrigens bei einer Familie vom Hospitality Club im Camper übernachte!*) zwei, drei oder auch vier Tage, und dann geht’s irgendwie über Vermont und New Hampshire zurück nach Boston. Ich hoff, dass mir die Kollegen morgen sowie die Leute im Nationalpark Anregungen geben, wo ich am besten hinfahr. Im Reiseführer hört sich immer alles prima an.
Soweit zum Urlaub. Mein gestriger letzter Arbeitstag fing mit einem Staff Meeting an, bei dem ich mich bei allen für den wunderbaren Empfang und die tolle Zusammenarbeit bedankte. Ich bin inzwischen prima im Smalltalk und im Sätze formulieren, die auf Deutsch wohl recht schleimig klingen würden; aber im englischen kann man sich da besser ausdrücken, und mein überschwänglicher Dank war auch wirklich ehrlich gemeint! Das Tag verlief normal, der Office Chef hat mich zum Mittagessen ausgeführt und mir anschließend ein T-Shirt der Red Sox (der hiesigen Baseballmannschaft) geschenkt. Damit fing dann der eher unschöne Teil des Tages an, denn ich wurde irgendwie total sentimental und konnte mich kaum von den Leuten verabschieden, ohne feuchte Augen zu bekommen… Schuld war sicherlich auch Übermüdung (ich hatte in den Tagen davor nicht allzu viel geschlafen), aber ich wurde einfach in den letzten vier Wochen jeden Tag so herzlich von den Leuten im Büro empfangen, dass ich am Ende das Gefühl hatte, sie wirklich zu vermissen ;o) Ein Kollege, der immer mit dabei war, wenn wir abends noch einen Trinken gingen und der täglich mindestens zweimal vorbei kam um sich zu versichern, dass es mir gut geht, schüttelte am Ende meine Hand und meinte „You came as a colleage, and left as a friend“ – schööööön, oder?! … *schneuz* Es ist witzig, wie schnell man sich doch aneinander gewöhnt. Ich werd sie vermissen, angefangen vom morgendlichen Tratsch in der Kaffeeküche, die göttlichen Nußschokokokoskuchen der süßen Vormittagssekretärin, die grandiosen Tomatenschafskäsekräuter-Dips der Nachmittagssekretären, die Äpfel meines Kollegen zur Linken, und den Freitäglichen After-Work-Drink mit der „Gang“. Hach!
Eine Kollegin aus Frankfurt ist seit Montag in Westford, und arbeitet wie ich an Projekten hier mit. Wir haben Dienstagabend in kleiner Runde ihren Einstand und meinen Ausstand gefeiert und sie war danach – wie ich – von der Stimmung und den Leuten begeistert. Man kann diese super lockere, unverkrampfte, lustige und gemeinschaftliche Stimmung nicht beschreiben, noch weniger erklären warum das bei uns in Frankfurt so anders ist. Hier herrscht einfach eine durchweg positive Stimmung, das merkt man den Leuten an und das schwebt einfach über dem gesamten Arbeitstag. Nun ja.
Ich werd die meisten der Kollegen dort wohl nie wieder sehen, da die wenigsten zu uns nach Frankfurt kommen werden und ich sicherlich nicht noch mal die Gelegenheit haben werd, nach Westford zu kommen. Zwei Kollegen versuch ich noch in meine Reise einzubauen. Scott hat mir viele Wandertouren empfohlen und würd mir gern bei der ein oder anderen Wochenendtour den Weg weisen, und Steve hat mich zu sich nach Haus eingeladen zum Abendessen mit seiner Familie, inkl. Übernachtungsplatz auf der Couch ;o) Es ist wohl ein kleines Dankeschön dafür, dass ich ihn dazu motiviert hab, seine Deutschkenntnisse aufzufrischen (sein Papa ist aus Deutschland eingewandert) und öfter mit ihm deutsch gesprochen hab. *
.. Gähn! Ich geh langsam schnurcheln (wie liebe ich doch dieses Wort!).
Ich versuch gleich noch, ein paar Bilder hochzuladen. Von Boston by night, Hummer knacken, Cape Cod entdecken...
Genau zwei Wochen hab ich noch, heut in 14 Tagen sitz ich wieder im Flieger auf dem Weg in die Heimat. Und dann werd ich mir mal wieder ein leckeres knackiges Deutsches Honigbrot genießen!
Gut Nacht!

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Montag, 1. Oktober 2007 

Kleiner Abfall ~ große Tiere ~ kalte Füße
Eine weitere Woche ist vergangen und so langsam naht das Ende meiner Zeit hier in Westford. Eineinhalb Wochen hab ich noch, aber die werden schnell vergehn, da mich von Mittwoch bis Sonntag Andy hier besuchen kommt und danach hab ich nur noch drei Arbeitstage vor mir. Schwupdiwupp!
Vergangene Woche ist nichts Berauschendes passiert, ich war noch mal shoppen und lass nach einem Blick auf meinen Kreditkartenstand besser langsam die Finger davon. ;o) Dafür war das Wochenende mal wieder atemberaubend, kommunikativ und international!
Samstagvormittag hab ich mich Arbeitskollegen zum „Coastal Clean-up“ angeschlossen, eine Art Ramadamma (ich hoff, das verstehn auch die Nichtbayern?!) am Strand. Wir waren nicht sonderlich erfolgreich da unser Strand bereits ziemlich sauber war und das einzige „Prunk-stück“ dieser Aufräumaktion war ein Flipflop! ;o) Es hat trotzdem (oder vielleicht sogar deshalb?) Spaß gemacht und ich hab noch mal ein paar Leute kennen gelernt, mit denen ich bisher nicht allzu viel zu tun hatte.
Anschließend bin ich weiter gen Boston gefahren und hab mich diesmal Cambridge gewidmet mit der ältesten Universität der USA: der berühmten Harvard Universität. Die Uni verdankt ihren Namen einem gewissen John Harvard, der 1638 sein halbes Vermögen und seine komplette Bibliothek an die Universität vererbte. Und weil John wiederum an der englischen Universität Cambridge studiert hat, hieß die Stadt von da an Cambridge. ~ Ham’ma heit wieder was glernt, gei?! Dementsprechend hat Cambridge ein unheimlich internationales Studentenflair, das sich unmöglich mit der Kamera einfangen lässt. Interessanterweise stellen Amerikaner nur einen Anteil von 15% aller Studenten; an erster Stelle stehen Asiaten (37%) gefolgt von Europäern mit 28%. Ich hätte stundenlang am Harvard Square sitzen oder durch den Campus bummeln und Leute gucken können. Das ist schon ein anderes Studentenleben als ich das hatte ;o)
Abends hab ich mich mit einer, bis dato unbekannten, Freundin von Chris getroffen. Alisa und ihr Freund hatten ein Picknick vorbereitet mit dem wir runter an den Charles River gezogen sind und es uns dort gemütlich gemacht haben. Wir haben uns super verstanden und in der Abendsonne fröhlich Oliven, Karotten, Käse und sonstige Leckereien vor uns hingemümmelt. Mit der Sonne war dann leider auch die Wärme weg und nach einer schwülwarmen Spätsommerwoche merkt man nun, dass der Herbst angekommen ist. Im anschließenden Kinosessel war’s leider auch nicht viel wärmer, und ich hab die Erkältung schon fast kommen gespürt. Da es schon ziemlich spät war hat mich Alisa eingeladen die Nacht bei ihr zu verbringen, und so hab ich die Ausziehcouch mit ihren zwei enormen und enorm verschmusten Katern geteilt. Die haben mich wieder ein wenig aufgewärmt.
Nach einem stärkenden Frühstück hab ich mich wieder ins Auto gesetzt und bin nach Cape Ann gefahren um in das Nachmittagsschiff zum Whale watching zu fahren. Arbeitskollegen haben vor drei Wochen diesen Ausflug gemacht und mir begeistert erzählt, wie viele Wale sie gesehen haben. Das hat mich gereizt und wer weiß wann ich noch mal die Gelegenheit dazu hab?! So hab ich mir also schnell noch für nen Dollar eine Tablette gegen Seekrankheit geholt, bin auf’s Boot gesprungen und hab im Laufe des vierstündigen Ausflugs doch öfters vor mich hingebibbert. Die Wale waren toll, wir haben einen Finnwal und mehrere Buckelwale gesehen, die teilweise in parallelen Dreierreihen an uns vorbeigeschwommen sind. Obwohl die Wale alle noch nicht ausgewachsen waren (auf dem Boot waren Meeresforscher, die die einzelnen Wale mit Namen nennen und entsprechende Lebensgeschichten erzählen konnten), sind diese (Säuge)Tiere doch enorm! Auf dem Boot hab ich, wie sollte es auch anders sein, mal wieder Bekanntschaft gemacht, diesmal mit Dennis, dem Famienvater, der mit seinen zwei Töchtern und zwei Austausch-schülern auf Walbeobachtung ging. Klein wie die Welt ist wohnt die Familie in Westford, d.h. in dem Örtchen wo ich momentan wohne und arbeite. Und so wurde ich eingeladen, doch bald mal zum Abendessen vorbeizukommen. Taraaa! *kopfschüttel* Ich erwähne jetzt nicht zum x-ten Mal wie faszinierend ich die Kommunikationsbereitschaft der Amerikaner finde. … *
(Ach, hierzu noch ein kleiner Schwank: Ich war letzten Freitag mal wieder im Supermarkt und hab meine Waren dem Kassierer entgegen geschoben, der wie immer frisch, fröhlich und bester Dinge so tat als ob das DER Traumjob wäre. Er stellte mir eine Frage die ich nicht ganz verstand (so ganz hab ich mich an diese Small-Talk-Einkaufskommunikation noch nicht gewöhnt). Daher wiederholte er die Frage, und ich musste ein wenig nachdenken bevor ich sie beantworten konnte: habe ich heute erreicht was ich erreichen wollte? Gute Frage… Hmm, eigentlich, .., ja! Stellt euch mal eine dieser grummeligen deutschen Kassiererinnen vor, die manchmal den Eindruck erwecken als wäre gerade ihr liebstes Haustier gestorben. Die soll dann auf einmal fragen, ob ihr im Supermarkt auch alles gefunden habt und ob euer Tag so gelaufen ist wie ihr ihn euch vorgestellt habt. ?!?! Nee, irgendwie passt das nicht… ;o)
Nach erfolgreicher Walbeobachtung bin ich ins nächstgelegene Rockport gefahren, bin durch die zuckersüßen Gässchen spaziert, hab einige schöne Bilder in der Abendsonne geknipst und mich bei einer typischen Clam Chowder (eine ziemlich sämige Suppe mit Muscheln und Kartoffeln – yammiyammi!) aufgewärmt.
Abends bin ich dann so erschöpft im Hotel angekommen, dass ich nach einer heißen Dusche und heißem Tee auch sofort eingeschlafen bin.
Der Plan für die Woche: Mittwochnachmittag hol ich Andy vom Flughafen ab, nach ausreichend Sightseeing Boston fahren wir am Freitag nach Cape Cod, eine Halbinsel südöstlich von Boston. Dort gibt’s neben endlosen Sandstränden kleine Städtchen zu besichtigen, die ein oder andere Insel zu entdecken, verschiedene Schutzgebiete und einfach a bissl Natur! Sonntag geht’s zum Cranberryfestival um live mitzuerleben, wie die Cranberryfelder zur Ernte geflutet und die Früchte von der Oberfläche heruntergefischt werden. Das muss super schön sein!
Ich werde berichten!

Bis dahin eine schöne letzte Wiesnwoche!
Eure Abenteuererin*

PS: Weee are the champiooooons, weeee are the champiooons…! Wenn’s die Männer schon nicht geschafft haben! ;o)

PPS: Fotos vom Wochenende wurden soeben hochgeladen. 

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Mittwoch, 26. September

Kletterei & Halloween
Da ist er wieder, einer dieser Abende, an denen ich mir eigentlich fest vorgenommen hab, mal pünktlich ins Bett zu gehen, an dem mir aber zu viele positive Gedanken im Kopf herum schwirren, dass ich nicht anders kann als das niederzuschreiben.
Ich muss mal wieder betonen wie wahnsinnig einfach es ist, hier mit Leuten in Kontakt zu kommen. So hab ich beispielsweise nach zwei Wochen in AMEC Büro in Westford meine zwei Joggingpartner ausfindig gemacht, mit denen ich ab und an in der Mittagspause durch die Wälder pirsche. Und seit heut hab ich auch nen Kletterpartner. Von jenem Kletterabend komm ich grad zurück, das Magnesium klebt noch unter den zerkratzten Fingernägel und der Angstschweiß steht noch halb auf der Stirn, aber das ist es was an diesem Sport soviel Spaß macht! :o) So war ich also heut mit Joe in New Englands größter Kletterhalle, die Joe’s bestem Freund gehört. Joe hat dort auch ein paar Routen geschraubt, kennt daher Hinz und Kunz und dementsprechend kenn ich nun auch Hinz und Kunz. So hab ich auch Alex kennen gelernt, einen Amerikaner der für Procter&Gamble arbeitet und daher öfter mal in Frankfurt ist. Ja, und das nächste Mal wenn er dort arbeitet, dann gehen wir zusammen klettern. So einfach ist das! *lach* Es war ein super lustiger herausfordernder Abend und ich kann von Joe noch einiges an Klettertechnik lernen. Noch jetzt hab ich dieses leichte Schmunzeln auf den Lippen – ein Anzeichen für einen gelungenen Klettertag. Hach! :o)

Einen kurzen Schwank, den ich noch loswerden wollte:
Es nähert sich ja langsam der Oktober und damit Halloween. Dies merkt man nicht nur anhand der vielen Kürbisse, die sich in den Supermärkten stapeln, sondern auch hier und da an kleinen Halloweendekorationen der Wohnhäuser (ich hab sogar schon die erste Weihnachtsdeko gesehn!!). Wunderbar. Gestern Abend war ich nach der Arbeit joggen und drehte meine letzte Runde, als es schon dämmerte. Ich war gut kaputt, joggte meine letzten Meter zum Auto, als über einen Teil der Straße ein etwas uriger Rauch wehte. Hmm?! Ich blickte in den Straßengraben, der zwei Häuser voneinander trennte, und dort war ein kompletter Friedhof mit rund 10 Grabsteinen aufgebaut, Totenköpfe blinkten in den Büschen, Fackeln loderten an den Seiten und ein paar Kiddies schlichen rundherum! Ich hab mich auf den ersten Blick echt erschrocken! Das ganze sah so echt aus, dass ich wirklich anhalten und noch mal genau hinschaun musste. Ich möchte so was niemals nicht in meinem Vorgarten haben! Gruselig, ganz gruselig! Ich wusste nicht, dass Halloween außer Kürbissen und herumstreunenden von Tür zu Tür bettelnden Kindern in Kostümen auch solch dunkle Seiten hat! Brrrrrr!

Das war’s! Ich spring zufrieden in die Heia!
Ahoi!

PS: Um Euch das Leben leichter zu machen, könnt ihr ab heut von oben nach unten lesen, d.h. die aktuellsten Ereignisse befinden sich am Anfang der Seite.
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Sonntag, 23. September, abends

Shopping & Boston
Hi and hello meine lieben daheim!
Eine weitere Woche ist verflogen und ein spontan schönes Wochenende liegt hinter mir ~ und ich bleibe glücklich und zufrieden und freudig erstaunt über Land & Leute! Die Woche war ausgefüllt mit Arbeitskollegen, angefangen vom zum dreier Businessdinner in entspannter Atmosphäre mit unserem Cheffe und der Northamerica-Vice-Präsidentin, über ein fantastisch lustiges Abendessen mit einem kleinen feinen Kollegenkreis (ich wurde wunderbar in die amerikanische Küche eingeführt, hab leckere Muscheln gegessen und Tränen gelacht!), Eisessen bei der Hausmarke um die Ecke, bis zum fast schön zur Gewohnheit werdenden After-Work-Drink mit Arbeitskollegen und anschließendem Besuch in einem meiner Lieblingssupermärkte (Trader Joe’s – wegen des fantastischen Studentenfutters!!). Am Donnerstag hab ich einen zweiten und diesmal erfolgreicheren Besuch einer Shopping Mall bewerkstelligt, und mein noch nicht vorhandener aber auf der Liste stehender neuer Koffer wurde etwas gefüllt. Langsam artet das schon fast in Freizeit stress aus ;o) Für das Wochenende hatte ich mir Boston vorgenommen. Hierfür hab ich versucht, ein paar Kollegen fürs kollektive Sightseeing zu organisieren, worin ich aber aufgrund ausgefüllter Terminkalender nicht allzu erfolgreich war. Dabei hab ich jedoch erfahren, dass rund eine Stunde von meinem derzeitigen Wohnort DAS Shopping-Outlet ist, und das ein paar Mädls dort Samstagnachmittag zum einkaufen hin wollen. Da hab ich nicht lang gefackelt und hab mich eingeklinkt. Und, ach, ein Traum! Ich bin ja nun nicht der exzessive Einkäufer, aber da, hmmm…!! Ich bin schon mal voraus gefahren, war um halb elf Morgens dort, irgendwann war’s mal halb zwei und ich hatte Hunger, dann wurden langsam die Geschäfte wieder leerer, die Sonne ging unter und schups war’s kurz vor neun und Zeit die Einkaufstüten ins Auto zu packen! Jaja, ich war sage und schreibe gute zehn Stunden am Stück shoppen – und ohne dass ich die Zeit groß gemerkt hätte! *lach* Das hätte ich (von mir) auch nicht erwartet! Aber es gab dort einfach sooo viel zu schaun, von Adidas, Puma und Nike über Ralph Lauren, GAP, Lacoste, … und vielen amerikanischen Marken, die ich bisher nicht kannte. Ich glaub ich bin noch nie in meinem Leben innerhalb von so kurzer Zeit so viele Kleidungsstücke an und wieder ausgezogen, so viele Umkleidekabinen von innen gesehen und so viel Zeit nur mit Schuhen, Handtaschen und Kleidung verbracht. Inzwischen kenn ich meine (amerikanische) Kleidergröße und hab auch gelernt, dass man die Tür der Umkleidekabine niemals zufallen lassen darf, sollte man vor der Kabine stehen. Denn sonst könnte die Tür ins Schloss fallen, sodass sie von außen nicht mehr zu öffen ist, worauf man 1) mit kneifender zu kurzer Jeans und einfach ungut sitzendem Oberteil durch den ganzen Laden takeln könnte um die Verkäuferin zu bitten, die Tür wieder aufzuschließen, oder 2) heldenhaft wie Tarzan unter der Tür hindurchkrabbelt, wobei man darauf achten sollte, dieses mit nicht allzu viel Schwung zu tun. Sonst bekommt man nämlich ziemlich dunkle blaue Flecken an den Knien! *lach* Einmal und nie wieder, sag ich Euch! Der Samstag war damit auch gelaufen, die Füße waren platt und ich kaputt und neu eingekleidet! Heut stand dann wirklich Boston auf dem Programm. Ein Arbeitskollege, der nächste Woche nach Deutschland fährt und dem ich so gut es ging bei der Vorbereitung seines Aufenthalts geholfen hab, hat mich mit seiner Freundin durch Boston geführt. Wir sind den so genannten Freedom Trail entlang gelaufen, einer vier Kilometer langen, quer durch die Stadt rot markierten Route, die an den geschichtsträchtigen Orten Bostons entlang führt. Es war wieder einer dieser strahlenden Spätsommmertage (nun ja, eigentlich ist ja seit diesem Wochenende Herbst und dazu noch Wiesnbeginn – trinkt ne Mass für mich!), wir sind durch die Stadt gelaufen und haben weniger aktives Sightseeing als einen gemütlichen Stadtbummel gemacht. Die beiden waren auch nicht allzu geschichtsineressiert. Zur schönsten Mittagszeit sind wir in den Pub zum Football gucken – und langsam blick ich bei diesem alle-Männer-stürzen-sich-auf-den-einen-armen-Kerl-mit-dem-Ball-Spiel auch einigermaßen durch! Football und Baseball bestimmen momentan die Sonntagsplanung, es gibt Spiele um 13, 16 und 19 Uhr, und vor allem Football ist bedeutend da darin weniger Spiele gespielt werden und die Saison nur von September bis Ende des Jahres läuft. Baseball wird wohl häufiger und länger über das Jahr hinweg gespielt. Das ganze ist ein Thema, ja ein Lebensinhalt für sich, ob Baseball oder Football, die Boston Patriots versus Yankees, nicht zu verwechseln mit den Red Sox, denn die spielen Baseball… Ich versuche, so viel davon mitzubekommen, denn ich schnuppere darin das typische amerikanische und möchte diese Erfahrung mit nach Hause nehmen! Nach fast dreistündigem (!) (alles dauert hier einfach länger, ist größer, ist süßer) Spiel und einem Sieg der Patriots haben wir einen Spaziergang zum Charlston River gemacht und dort hab ich mich dann auch von den beiden verabschiedet. Eigentlich in Ruhe die erste Postkarte schreiben wollend bin ich in diese spanisch-mexikanische Familie gelaufen, mit denen ich mich auf Anhieb super verstanden hab (auf spanisch, versteht sich) und die mich spontan samt ihren drei süßen Kiddies zum Eis eingeladen haben. So sind die nächsten zwei Stunden gesellig weitergegangen und ich hab nun ein Haus in Boston, in dem ich wie in meinem eigenen willkommen bin! Manchmal kann die Welt so einfach sein! :o) Nachdem die Sonne nurnoch kurz die Stadt zu erleuchten drohte hab ich das Postkartenschreiben auf unbestimmte Zeit verschoben und bin auf eine letzte Fototour durch die Stadt gebummelt. Dabei, bzw. beim Foto von mir vor dem Massachusetts State House bin ich Peter begegnet, einem Deutschen aus – taraaaa- Frankfurt! Bänker, logo! Mit ihm bin ich dann auf ein Light Beer (die etwas verwässerte Bieralternative – statt Radler – für Autofahrer) in einen urig netten Pub und schwups, schon war’s dunkel draußen und ich wollt mich langsam wieder auf den Rückweg machen. Es ist witzig wie sich ein relativ ungeplanter Tag so nett gestalten lässt. Und wie schnell man doch Leute kennen lernen kann! Sprachen öffnen einem da einfach Türen, denn wenn ich die spanisch-mexikanische Familie einfach nur auf englisch um ein Foto hätte bitten können, dann wär es wohl bei diesem einen Foto geblieben. Mit derselben Sprache, besonders im Ausland, kann man gleich auf einer ganz anderen Ebene miteinander kommunizieren. Der Franzose, oder französischsprachige Kanadier hätte heut grad noch gefehlt! ;o) Ihr seht: bei mir ist weiterhin alles paletti! In den saftig grünen Wäldern beginnt der ein oder andere Baum die Farbe zu wechseln, die Shoppinlust ist langsam gesättigt und bei all diesen riesigen Portionen – sei es Tomatensauce im Supermarkt oder die Kugeln in der Eisdiele –beginne allmählich zu verstehen welchen Ursprung so manch einer dieser enormen Hinterteile hat!* Viele Grüße aus der Ferne und eine schöne Woche! Christa* PS: Fotos folgen morgen, mir fallen schon die Augen zu.
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Sonntag, 16. September

Newport , Rhode Island
Leicht zu sehr sonnengebräunt melde ich mich von einem superduper Wochenende zurück!
Die Stadt, die Häuser, die Leut, die Gegend, die Küste, der Strand, der Sand – einfach alles ein Traum! :o)
Newport ist bekannt für den America’s Cup (132 Jahre lang gewann der New York Yacht Club die Segelregatta; und am Wochenende war dort große Bootsmesse), die ersten US Open (1881) und für die Häuser der wohlhabenden Kaufleute und Schiffseigner, die sich hier ihren Sommersitz bauten. Die prächtigsten dieser „Mansions“ kann man heute besuchen, und so hab auch ich mich, zugegeben ohne große Erwartung – schließlich hat unsereins ja genug Schloßerfahrung im eigenen Land gesammelt - in die Schlange gestellt. Und wurde total überrascht! Die Häuser strotzen nur so vor Prunk, Gold und teuren Stoffen, dass einem vor Staunen der Mund offen bleibt! Aus dem Staunen bin ich am Samstag auch kaum mehr rausgekommen, denn entlang des kompletten Küstenabschnitt von Newport reiht sich ein Herrenhaus am nächsten, suuper tolle Häuser mit traumhaftem Blick auf’s Meer, eins schöner als das andere, und ich wünschte, ich wär auch mal „schön und reich“… Den Abend hab ich bei Muscheln und Pommes genossen und mit einem leckeren Peanutbutter-Marshmellow-Eis ausklingen lassen! :o) Nach einem weiteren Mansion und einer kleinen Altstadttour heut Vormittag bin ich dann mit Essen und Buch bewaffnet an den Strand, und fand einen supercoolen Surfspot: rund zwanzig Surfer im Wasser um die Wette um die Wellen paddelnd, zwei davon sich später vor mir Frisbee spielend aufgebaut, Christa mit Starbucks-Bagel und The Cider House Rules Lektüre, dazu blauer Himmel und Sonnenschein! Ich konnte mich wahrlich nicht beschweren! Das Leben kann so schön sein! Hi hi!
Am späten Nachmittag hab ich mich wieder auf den Rückweg gemacht, denn unser „Big Boss“ kam heut Abend in Boston an und hatte mich um ein Dinner gebeten (im Endeffekt waren wir nun in der Sportsbar um die Ecke zum Baseball schaun und Pommes mampfen – aber super nett und ich bin nun ein wahrer Baseball- und Footballprofi!).
Autofahren hier ist gewöhnungsbedürftig, aber dann ein Kinderspiel. Einige Auffälligkeiten:
- Analphabeten haben es nicht leicht, da die Verkehrsschilder kaum Bilder zeigen wie das bei uns der Fall ist, sondern stets ausgeschrieben werden; z.B. Speed limit 60! No turn! No trucks on the left lane!
- Man fährt immer einer Himmelsrichtung entgegen, was ich sehr viel praktischer find als nach Städtenamen. Wenn ich mich daran erinnere, wie oft ich mich am Anfang rund um Frankfurt verfahren hab, weil ich nicht wusste, wo Hanau, Offenbach und Heidelberg liegen…!
- Ausfahrten werden nicht nur mit dem Namen der nächsten Stadt ausgeschildert, sondern auch der dort anwesenden Fast Food Lokale, diverser Tankstellen, Hotels und Sehenswürdigkeiten. Sokann man wunderbar spontan entscheiden, ob man nun im McDonald’s, Dunkin’ Donuts, Chilis oder Applebee’s essen und danach im Best Western, Marriott oder sonstiger Kette übernachten möchte. Find ich praktisch!
- Mit gemütlichen 65 miles/hour (entspricht rund 110km/h) tuckert es sich auf dem Highway gemütlich dahin, man kann in Ruhe die grün strotzenden Wälder bewundern, Easy Riders begutachten (von denen gibt es hier ne Menge! Ohne viel Helm auf richtig großen Harleys! Da schlägt das Motorradherz doch gleich etwas höher!) und Trail Mix mümmeln.
- Allerdings sind Geschwindigkeiten auf sonstigen Hauptstraßen keineswegs konstant. So darf ich beispielsweise auf meinem Weg zur Arbeit (ca. 1000 m auf ein und derselben Straße) mal 30 miles/h, dann wieder 45 miles/h, gleich aber wieder 35 miles/h fzwischen 20 - 45 Miles/hour fahren, sodass man ständig Schilder gucken und aufpassen muss. Ich bin immer froh wenn ich einen Autofahrer vor mir hab, der das für mich erledigt!
- Ansonsten sind die Fahrer recht rücksichtsvoll, man lässt einfädeln, gibt sich gegenseitig die Vorfahrt hin und her, drängelt nicht. Angenehm!

Auch am Wochenende hat der Strom der zuvorkommenden Menschen nicht abgenommen. Meine Guesthouse-Mama hat mich mit Infos über Newport nur so überschüttet und mir mein komplettes Tagesprogram aufgestellt (das ich natürlich nicht eingehalten hab!*), die Kassiererin bei Starbucks fand meine Tasche total super, der Verkäuferin im Klamottenladen hat meine Brille gut gefallen und die Eisverkäuferin hat einen Onkel bei der Army in Baumholder (ich hab dort gute 5 Arbeitswochen verbracht!). Man kommt so leicht miteinander ins Gespräch, das ist total witzig!
Mir fallen die Äuglein zu… Gut Nacht!

PS: Wenn die Natur hält was mir so viele hier versprechen, dann wird mein anschließender Urlaub ein Traum! Die Wälder müssen einach wunderbar aussehen, in ihrer rot-organge-gelbenen Farbenpracht! Noch hab ich Plätze im Auto frei! Wer will mit ???

PPS: Bei all den Nationalflaggen, die in diesem Land wehen, hab ich langsam den Eindruck, dass man ja nicht vergessen soll in welchen Land man sich befindet!
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Samstagmorgen, 15. September 2007

Leben in Amerika
Ich mache mich auf in den Urlaubsort der Schönen und Reichen: Newport, Rhode Island. Schöne und unbezahlbare Villen und Schlösser anschauen, durch die Stadt bummeln, links und rechts Amerika entdecken.
Außer der Hauptstraße, die in der Nähe meines Hotels vorbeiführt, hab ich bisher nicht viel gesehen. Allerdings gibt es an dieser Straße alles was man braucht, von Supermärkten über Restaurants und meinen Arbeitsplatz. Die drei Tage im Büro waren super nett, und ich frage mich etwas skeptisch, ob die Leute wirklich alle sooo nett sind?!
Es hatte sich lustigerweise am Donnerstag wohl recht schnell im Büro herumgesprochen, dass ich am Vorabend etwas „Probleme“ im Supermarkt hatte (bei dieser Hülle und Fülle von unbekannten und reizvollen Produkten weiß man gar nicht, wo man anfangen soll, so dass meine Einkäufe eher spärlich ausfielen!), sodass ich mittags von einem Kollegen eine Supermarkttour bekommen hab, wobei er mir erklärte, welche Marken gut, welche gut aber teuer, und welche für „high school students that don’t have money“ sind! *lach* Am gleichen Nachmittag war ich mit Kollegen auf nen Drink in ner Bar. Seeehr Amerikanisch! Es war ein wunderschöner lauer Herbsttag, fantastisch für ein Radler im Biergarten, die wärmende Herbstsonne genießen. Und was machen wir? Wir gehen in den dunkelsten Schuppen in dem ich je war, in dem man am Anfang außer schwarz nichts sieht bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnen und man dann in einem, für mich typischen, amerikanischen Pub sitzt. Klimatisiert natürlich, und ich kämpfe doch eh schon mit den Folgen des kalten Fluges. Brrrr! Dort saßen wir dann nett zusammen, aber im Hinterkopf hatte ich immer das schöne Wetter draußen vor der Tür! Eigentlich wollte ich danach noch ein bisschen raus, Füße vertreten, Sonne genießen (!), aber nachdem es schon dunkel war bis wir aus dem Pub kamen hab ich mich zwei Kolleginnen angeschlossen und wir waren Thai essen (ebenfalls klimatisiert, daher hab ich erstmal nen warmen Jasmintee bestellt). Der Abend war nett, lustig und quasselig, und so bin ich fröhlich eingeschlafen!
Gestern hab ich nach der Arbeit eine Joggingrunde durch meine „Villa Kunterbunt“ – Nachbarschaft gedreht. Die Häuser sind super schön und niedlich, allerdings alle ausgestattet mit der riesigen Doppelgarage, jedes dritte mit der amerikanischen Flagge über der Eingangstür (wie im Bilderbuch!) und jedes zehnte mit privatem Pool. Ich hätte so viele von den Häusern fotografieren wollen, doch das „Neighbors watching“-Schild an der Einfahrt der Siedlung hat mich davon abgehalten. Ich möcht ja nicht als Spion verdächtigt werden! ;o)
Euch auch ein schönes Wochenende!
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Donnerstag, 13 September 2007, 9:33 amerikanischer Zeitrechnung

Good morning Germany!
Hier bin ich angekommen, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der freundlichen Menschen! Ich wurde gestern super herzlich in der Arbeit empfangen, herumgeführt und (zu)vielen Mitarbeitern vorgestellt, an meinen vollausgestatteten Arbeitsplatz gesetzt und nach einem ersten Meeting mit der „Engineering Group“ sowie gemeinsamen Asia-Lunch (lecker lecker) gleich mit den ersten Aufgaben vertraut gemacht. Den ganzen Nachmittag kamen Leute in mein Büro, haben sich vorgestellt, sich erkundigt ob alles ok ist, haben deutsche Gummibärchen genossen und sind fröhlich wieder von dannen gezogen. Ein toller Start – und ich freu mich auf die weiteren Wochen!
Mein 9/11-Flieger ist gut in den USA angekommen. Laut Sicherheitspersonal, mit dem ich ein Schwätzchen hielt, waren an diesem Tag doch weniger Fluggäste unterwegs als sonst… Das hat man auch im Flugzeug gemerkt, sodass ich eine komplette Reihe für mich allein hatte und so gemütlich, mit Flugzeugdecke und Fliegersöckchen bewaffnet, Filmchen schaun konnte. Ja, ihr hört richtig! Diesmal hab ich kaum geschlafen, und das trotz einer ziemlich kurzen letzten Nacht in Frankfurt! ;o) Dank Leihwagen und GPS bin ich auch gut im Hotel angekommen. Freundliches Personal und ein nettes Zimmer mit komplett ausgestattete Küche. Heut morgen hab ich den Tag nach vietnamesischer Tradition kraulend im Pool begonnen bevor ich mich über das amerikanische Frühstücksbuffet hermachte. Oh-ohh! Da kommt der Knackpunkt! Als erfahrener Umweltberater im Hotelgewerbe läuft mir bei diesem Anblick ein Schauer über den Rücken: Plastikteller und Plastikschüsseln, Plastikbecher für den O-Saft und Styroporbecher für den Kaffee. Marmelade, Honig, Milch und Joghurt einzeln abgepackt, Papierservietten und Plastikbesteck. Welch ein Graus! :o\ Langsam versteh ich die Amerikaner, die ich auf der U.S. Army Base in Belgien versuchte davon zu überzeugen, Abfall zu vermeiden, wiederzuverwenden bzw. zu recyceln (the 3 R's: reduce, reuse, recycling) . Wenn ich so aufwachsen wäre wie ich das hier im Hotel mitbekomm, dann hätte ich wahrscheinlich auch nicht dieses „grüne“ Auge das ich inzwischen hab. Nun ja. Abgesehen davon ist das Frühstück ein wahrer Kindertraum: frisch gebackene Waffeln wahlweise mit Ahornsirup oder gesüßten Erdbeeren, Muffins, Dognuts, Bagles, Marmelade und Peanutbutter. Für die Herzhaften unter uns Rührei, Bratkartoffeln, Hamburger, Tacos und dazu, fürs deutsche Frühstück undenkbare, Saucen von Ketchup über Cheese, Workester und Barbeque Sauce. Brrrrr… Soweit hab ich mich dann doch nicht getraut. :o)
So starte ich nun in einen neuen Arbeitstag. Wie ich soeben informiert wurde geht die "Gang" heut Abend Cocktails schlürfen, und da bin ich natürlich dabei! Lalllaaalaaaaa!
Euch einen ebenso schönen Tag und viele Grüße aus dem sonnig herbstlichen Massachusetts!

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Dienstag, 11 September 2007, 2:52

Hier ist sie also, meine spontan zu später Stunde erstellte Website. Ein Anfang, der sicherlich noch perfektioniert werden kann. Auf dieser Seite könnt ihr nun mitverfolgen, wie ich mich anstelle, dort draußen in der großen Welt.
Diesmal: Christa auf der anderen Seite des großen Teichs.
Erstmal geht es nach Westford, Massechusetts, rund eine Stunde nordwestlich von Boston. Dort werd ich für vier Wochen meine AMEC Kollegen unterstützen und am Wochenende die nähere und weitere Umgebung erkunden. Ab dem 25 September zieh ich dann weiter, die Ostküste gen Norden, Maine Lobster verspeisen, durch den Nationalpark stapfen, bis ich schließlich durch's Landesinnere und damit durch die Wälder des Indian Summers meinen Weg zurück nach Boston find.
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